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FARIDA ARABIANS - DIE GESCHICHTE DES
GESTÜTES Ein
Sommertag neigt sich dem Ende zu. Vom Meer
weht eine leichte kühlende Brise zu der
friedlich grasenden Herde Vollblutaraberstuten
herüber. Plötzlich heben sie den Kopf, spitzen
die feinen Ohren und in der nächsten Minute
umrunden sie im Galopp die große Weide,
scheinbar aus reinem Übermut. Ein Bild purer
Lebensfreude bietet sich dem Betrachter.
Doch
ganz stimmig ist das Bild nicht, ein Pferd
scheint nicht wirklich in die Herde zu passen.
Ein großer Rappe mit deutlich mehr Kaliber
wirkt wie ein Fremdkörper unter den zierlichen
arabischen Stuten. Allerdings ist er ein
wesentlicher Teil dieses Gestütes, denn ohne
ihn gäbe es “Farida Arabians”
möglichwerweise gar nicht. Erzählen wir die
Geschichte von Anfang an ...
Die Familie um Matthias Heiß hatte sich schon
lange der Reiterei verschrieben, regelmäßige
Unterrichtsstunden im benachbarten Reitverein
waren fester Bestandteil des familiären
Freizeitprogramms. Anfang der Neunziger Jahre
erreichte sie ein Anruf aus dem Stall und sie
mussten erfahren, das ein alter
Hannoveranerwallach ausgemustert werden
sollte. Der Rappe sollte seinen letzten Gang
zum Schlachter antreten. “ Irgendwie hingen
wir alle an dem Pferd” sagt Matthias Heiss,
“deshalb konnten wir das nicht zulassen.
Kurzum, wir kauften den Wallach und noch ein
Gesellschaftspferd dazu.”
Als der zweite Wallach 1994 starb, war die
Familie auf der Suche nach einem neuen
Gesellschaftspferd. Diesmal sollte es
allerdings kein Warmblut sein, denn
mittlerweile war Matthias Heiß in den Besitz
des Buches “Asil Araber III” gelangt und nach
der Lektüre desselben stand sein Entschluss
fest: Nun musste ein ägyptischer-asiler
Vollblutaraber her!
Aufgrund der geographischen Nähe besuchte die
Familie das Hamasa Araber Gestüt, wo sie
schnell fündig wurde. Die Jährlingsstute
NUHRA II (Prince
Egypt x Nausicaa) wechselte den Besitzer.
Nur ein Jahr später bot sich Familie Heiss,
die Ökonomie der Abtei Marienstatt im
Westerwald (Rheinland-Pfalz) zu pachten.
Schnell waren Pläne für einen Pensionsstall
mit Hengstaufzucht gemacht und bei soviel
Platz brauchte man sich auch nicht mehr auf
zwei Pferde zu beschränken. Die Konsequenz ist
wohl klar - weitere Vollblutaraber zogen ein.
Die Wahl fiel auf die einjährig, asile
Schimmelstute Hamasa Nazira (Ramses x
Nadeemah) sowie zwei Junghengste. Außerdem
wurde Matthias Heiss noch die bereits
16-jährige Hamasa Farida als “Schnäppchen”
angeboten. Die edle Farag-Tochter aus der Shar
Duda war nicht mehr zuchttauglich, doch
angeritten und so würde die reitbegeisterte
Familie Heiss bestimmt noch viel Freude an der
Stute haben. Diese schöne Stute sollte nicht
mehr tragend werden können? Das mochte
Matthias Heiss kaum glauben und darum handelte
er mit Dr. Olms einen Freisprung von Hamasa
Khazzan für die Stute aus. “ Was soll ich
Ihnen sagen”, erzählt er heute schmunzelnd,
“nach nur einem Sprung war Farida tragend!”
Um das Glück perfekt zu machen, kam ein Jahr
später ein hübsches Stutfohlen zur Welt - FA
Alisha ! Das erste selbst gezogene Fohlenwar
der ganze Stolz der Familie und der
Mutterstute zu Ehren erhielt das Gestüt den
Namen “Farida Arabians”
Wie viele Züchter träumte auch Matthias
Heiß von einem eigenen Hengst. Eien edlen
Schimmel, der den stolzen Hals wölbt und mit
seinem fordernden Wiehern kein Zweifel daran
lässt, wer der Herr auf dem Hof ist. Die
beiden Junghengste hatten sich nicht wie
erwartet entwickelt und wurden verkauft. Dafür
hielt ein anderer vielversprechender Hengst
Einzug. HAMASA MERZOUG.
Seine Abstammung liess viel erhoffen, immerhin
war sein Vater kein geringerer als der
Championhengst und Championvererber Maysoun,
die Mutter die herrliche Bint Nafteta, womit
Hamasa Merzoug sowohl auf Vater- als auch
Mutterseite auf die berühmte Moniet El Nefous
zurückging. Abgesehen von der guten Abstammung
verfügte Hamasa Merzoug über eine schöne
Kopf-Hals-Partie und eine sehr gute Oberlinie.
Entsprechend gross waren die Erwartungen in
seine ersten Fohlen.
Doch manchmal kommt es anders als man denkt.
Nachdem ein paar Fohlen geboren waren, war dem
Züchter M. Heiß schnell klar, dass Hamasa
Merzoug seine positiven Punkte nicht vererbte
und ein Zuchtfortschritt nicht erzielt werden
konnte. Heute führt Hamasa Merzoug ein
zufriedenes Leben als Wallach. Matthias Heiß
hat seine Lektion gelernt. “Ich bin der
falschen Idee hinterhergerannt”, sagt er
heute. “Es gibt so viele gute Zuchthengste,
aus denen ich die passenden für meine Stuten
auswählen kann, warum sollte ich mich mit
einem eigen Hengst züchterisch einschränken?
Vielleicht züchte ich irgendwann einmal einen
richtigen “Kracher” oder mir wird ein
Top-Hengst angeboten-, doch so ein Hengst muss
auf Schauen Chancen haben, ganz oben stehen,
und er muss Fremdstuten anziehen.Mittlerweile
sind meine Ansprüche in dieser Beziehung sehr
hoch und bis mir der Richtige über den Weg
läuft, leben wir auch ganz gut ohne eigenen
Hengst.”
Dafür wurde die Zuchtstutenpalette weiter
komplettiert. Ausschlaggebend war die erste
Schauteilnahme der Familie Heiss. “Wir waren
so motiviert”, sagt Matthias Heiß lachend,
“und haben zwei Pferde beim Asil Cup 1997 in
Baden Baden genannt. Unsere Pferde kamen
direkt von der Koppel, ohne große
Vorbereitung.” Die Teilnahme wurde ein Flop.
Matthias Heiß nimmt es sportlich. “Wir hatten
trotzdem unseren Spass, denn wenn ein eigenes
Pferd startet, ist die Spannung ungleich
größer. Außerdem kann ich neidlos anerkennen,
wenn andere Pferde schöner und besser sind.
Wer das nicht kann, sollte solchen Schauen
fernbleiben, weil er den Zweck einer solchen
Veranstaltung verkennt. Als Züchter muss ich
mich dem Wettbewerb
stellen, z.B. auf einer Zuchtschau. Um meine
eigenen Vorstellungen, meine eigenen
Zuchtprodukte zu überprüfen, muss ich sie
einem Vergleich unterziehen.
Selbstverständlich riskiere ich, dass
versierte Richter andere Vorstellungen haben
bzw. Fehler an meinen Pferden offen legen.
Meine Konsequenz muss dann ein Umdenken in der
Zucht sein”.
So war es auch nach dem Asil Cup 1997. “Auf
dieser Schau, meine Pferde im direkten
Vergleich mit anderen, erkannte ich, dass
meine Zuchtgrundlage qualitativ neu
ausgerichtet werden musste. Ich brauchte neue
Zuchtstuten, die einen etwas andere Typ
verkörperten”.
Den Anfang machte EL THAY THAIBA (v. El Thay
Mameluk), Tochter der Elitestute Taghreed. Sie
war tragend von dem Rapphengst Ansata Exemplar
und für das Folgejahr konnte sie noch einmal
mit ihm gedeckt werden. “Bereits dieser Kauf
hat sich für uns ausgezahlt”, sagt Matthias
Heiß und strahlt, “ Thaiba brachte uns ein
Hengst- und ein Stutfohlen, beides Rappen.”
Das Stutfohlen hat schon eine neue Heimat
gefunden, die Familie Heiß konnte sie nach
Tschechien verkaufen.
Von der Familie Reiter konnte als nächstes die
Jährlingsstute MAREEKA (Maysoun x Mahasin)
gekauft werden.
Besonders glücklich ist Matthias Heiß jedoch
über den Kauf der Stute SALOMÉ Bint Salaam
(Ansata El Salaam x Mamtaza Bint Moheba). Sie
ist eine Vollschwester des internationalen
Championhengstes Masri El Salaam. Mit drei
Jahren wurde sie 2001 ebenfalls auf Schauen
vorgestellt, wo sie recht gut abschnitt.
“Natürlich sollte sie in erster Linie
Zuchtstute sein”, sagt Matthias Heiß. So bekam
SALOMÉ Bint Salaam im Juni 2003 ihr erstes,
langersehntes Fohlen, einen kleinen Hengst von
Ansata Selman. Mit ihren fünf Jahren steht sie
nicht nur als Leitstute in der Herde an der
Spitze. “Für uns ist sie wirklich etwas
besonderes. Sie verkörpert nicht nur einen
eleganten Mutterstutentyp, sie ist auch
charakterlich hervorragend!” Nach Salomé
Bint Salaam leistete sich Matthias Heiß einen
“Ausrutscher”, die nicht ägyptisch gezogene
FOCUS JULIANNA
(Ravenwood Jaleel x Focus Filigree).
“Ägyptische Vollblutaraber sind mein
Steckenpferd. Ihre Geschichte, ihre ganze
Erscheinung, ihre Abstammung, das alles ist
für mich wichtig”, erklärt Matthias Heiß.
“Aber ich habe meine Pferde auch immer ein
bisschen nach “Bauchgefühl” gekauft.Als man
mir Focus Julianna anbot und ich mir das Video
ansah, fiel die Entscheidung ganz spontan.”
Offensichtlich hat ihn sein “Bauchgefühl”
nicht getäuscht. Im Jahr 2001 hatte Focus
Julianna eine erfolgreiche Schausaison, so war
sie u.a. Junioren Reserve Championesse der
nationalen Schau in Velgen. Im Jahr darauf
wurde sie mit Psytadel gedeckt. “ Ende Januar
bekamen wir daraus ein bezauberndes
Stutfohlen!.” freut sich Matthias Heiss.
Überhaupt brachte das Jahr 2001 einige
positive Dinge. Neben Schauerfolgen und
Championatsehren, bot sich die Möglichkeit,
einen Hof in Schleswig-Holstein zu erwerben.
“Auf unserem Hof in Marienstatt fühlten wir
uns zwar wohl”, sagt Matthias Heiss, “aber wir
wollten immer mit unseren Pferden leben und
nicht ständig hin- und herfahren. Über einen
Ortswechsel hatten wir schon einige Zeit
nachgedacht und träumten von einem Umzug nach
Italien oder Norddeutschland.” Vor Jahren
hatte sich die Familie einen Hof in Großenrade
mit dem schmucken Reetdach, Reithalle und
Hauskoppeln angesehen. Als genau dieses
Anwesen zum Verkauf stand, war von Italien
nicht mehr die Rede. Im Spätsommer 2001 zog
die gesamte Familie, zwei- und vierbeinig, um.
“ Nun fahren wir quasi zweigleisig. Den
Pensionsstall in Marienstatt im Westerwald
führen wir immer noch, aber das Zusammenleben
mit unseren Pferden haben wir in
Schleswig-Holstein realisiert. Wohnhaus und
Stall liegen nebeneinander, von der Terrasse
aus kann ich die Stuten mit Fohlen auf der
Hauskoppel beobachten. Und abends lasse ich es
mir natürlich nicht nehmen, jedem Pferd noch
eine Kleinigkeit zu geben.” Dazu gehört auch
der schwarze Hannoveranerwallach, der mit 34
Jahren als Senior unter all den jungen
Vollblutaraberstuten seinen Lebensabend
genießt.
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